Ägidius-Kirche in Hof

 

 

Massiver Steinbau des Mittelalters - kulturelles Kleinod


Aus mächtigen Granitquadern wurde die romanische Kirche im Ortsteil Hof zwischen 1150 und 1170 errichtet. Sie gilt als die religiöse Urzelle in der Region Oberviechtachs. Mit ihrer Mauerstärke von 1,56 Metern soll sie der Sage nach von Riesen erbaut worden sein. Ein unterirdischer Gang soll einst von der Kirche zur Burg geführt haben. Heute sind beide durch den Goldsteig und den Permanenten IVV Wanderweg verbunden.

 

Die auf romanischen Ursprung zurückgehende Ägidius-Kirche in Hof markiert die christliche Urzelle des Oberviechtacher Raumes. Das teilweise aus mächtigen Granitquadern errichtete, massive Bauwerk mit einer Mauerstärke von bis zu 1,56 Metern stammt in seinem Kern aus dem 12. Jahrhundert. In der Apsis befindet sich hinter dem Altar noch ein auffallend schmales romanisches Rundbogenfenster, das in seiner ursprünglichen Form erhalten ist, während die übrigen Fensteröffnungen nach den vorgenommenen Vergrößerungen nicht mehr ihre originale Architektur besitzen. Im Altarraum sind noch die für romanische Kirchen typischen Nischen zum Abstellen von sakralen Geräten vorhanden. Die Kirche besitzt zwei Rundbogenportale wobei der Seiteneingang erst in unserer Zeit wieder geöffnet worden ist. Der kleine Glockenturm wurde in seiner heutigen Form erst 1838/39 errichtet. Nach den wohl um 1660 erfolgten Geländeaufschüttungen wurde das Niveau des Kirchenbodens um etwa 2 Meter gehoben. Die ohnedies vergößerten Fenster erscheinen seitdem nicht mehr so hoch liegend, wie es sonst bei romanischen Kirchenbauten üblich ist. Das Langhaus der Hofer Kirche besitzt eine flache Holzdecke, während der Altarraum mit quadratischem Grundriß ein Gewölbebau ist.

 

Pfarrer Konrad Schießl kommt in seiner Pfarrgeschichte von 1977 zu dem Schluß, daß der Ort Hof im 12. Jahrhundert ein Besitz der Herrschaft von Haus Murach gewesen sei, die damals ein dem heiligen Ägidius geweihtes Gotteshaus errichtet habe. Die Herrschafts- und Besitzverhältnisse im 12. Jahrhundert lassen den Schluß zu, daß die Hofer Kirche in Verbindung zum Erzbistum Bamberg gestanden hat, von dem in dieser Zeit nachweislich eine Ägidiusverehrung ausgegangen ist. Der Holzaltar zeigt im Altarblatt den Kirchenpatron St. Ägidius als Benediktinerabt mit Stab und Brustkreuz, während ihm ein heranschwebendes Engelchen die Mitra reicht. Zur Rechten des Heiligen, der zu den 14 Nothelfern zählt, ist die Hirschkuh als sein Attribut abgebildet. 
Auf einem 1,20 mal 2,0 Meter großen Tafelbild an der Nordwand der Kirche ist eindrucksvoll die Auferstehung Christi dargestellt. Der triumphierdene Heiland tritt mit flatterndem roten Mantel aus einem Meer von Licht hervor, während die sieben Bewacher der Grabkammer die Auferstehung verängstigt mitverfolgen. Motiv und Malstil weisen dieses Bild dem Kreis des Begründers der Donauschule, Albrecht Altdorfer, zu.

 

Die gegenüberliegende Wand ist von einem stattlichen Kreuz mit der Schmerzensmutter geprägt. Dieses Werk eines einheimischen Holzbildhauers entstand anläßlich der im Juli 1858 in der Pfarrei Oberviechtach durchgeführten Volksmission. Auf den beiden Mauersockeln, die in den vorderen Nischen des Langhauses als Seitenaltäre dienen, stehen Figuren der Lourdes-Madonna und des Hl. Josef. Beim Haupteingang befindet sich an der Südwand eine etwa 50 cm hohe Holzstatue der Unbefleckten Empfängnis. Diese Schnitzarbeit eines einheimischen Künstlers hatte bis zur Renovierung 1973 in einer Außennische der Kirche ihren Platz.

 

Der massive Bau der Hofer Kirche mit ihrem südländisch anmutenden Glockentürmchen am Frontgiebel ist heute als christliche Urzelle des Oberviechtach Raumes im Bewußtsein der Bevölkerung verankert. Aus diesem Grund erfährt das Gotteshaus eine besondere religiöse Verehrung. Kunst- und kulturgeschichtlich zählt es zu den interessantesten und wertvollsten Gebäuden der Oberviechtacher Region.