Pater Balthasar Knellinger


Obwohl in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt und von seiner Heimatstadt bisher erst relativ wenig gewürdigt, zählt der Barockprediger Pater Balthasar Knellinger aus dem Orden der Gesellschaft Jesu zu den großen Oberviechtachern.

Die äußeren Stationen seines Lebens sind uns nur in groben Linien vertraut:

•    Geburt: am 23. April 1634 in Oberviechtach
•    Besuch des Gymnasiums, wahrscheinlich in Amberg
•    9. Januar 1652: Eintritt in den Orden der Gesellschaft Jesu
•    30. Mai 1665: Priesterweihe in Eichstätt
•    2. Februar 1669: Zulassung zu den vier hl. Gelübden
•    Wirkungsorte: Prediger im Kollegium der Gesellschaft Jesu zu München -St. Michael; 1685 - 1688: Domprediger in Augsburg
•    Tod: am 2. Juli 1696 während des Gottesdienstes

So wenig wir über den Lebenslauf Pater Knellingers wissen, so umfangreich ist das Schrifttum, das er hinterlassen hat. Die nahezu unglaublich scheinende Arbeitsleistung Knellingers sowie sein Ruhm und seine Beliebtheit als Kanzelprediger lassen sich rein äußerlich an der Zahl der von ihm herausgegebenen Bücher ersehen: Insgesamt sind von ihm acht Predigtsammlungen, davon eine dreibändig, eine andere siebenbändig, sowie ein Theaterstück in lateinischer Sprache erschienen. Jedes seiner Werke erlebte wenigstens zwei Auflagen; beinahe 50 Jahre nach seinem Tod wurden alle seine acht Predigtsammlungen noch einmal gedruckt. Was bei der Lektüre von Knellingers Schriften vor allem auffällt und beeindruckt, ist zum einen seine profunde Bildung und umfassende Gelehrsamkeit und zum anderen die Gewalt seiner Sprache sowie die Kraft seiner Bilder und Exempel.

Das Bemühen Pater Knellingers - und darin unterschied er sich deutlich von anderen Predigern - richtete sich hauptsächlich darauf, den schlichten Dorfpfarrern durch die Veröffentlichung seiner Predigten eine Hilfe zu bieten. (Für diesen Zweck enthielt jedes seiner Werke ein mustergültiges Begriffsregister.) Lange nach seinem Tod war Knellinger aus diesem Grund noch sehr beliebt. Seine Mitbrüder in München haben ihm einen herrlichen Nachruf verfaßt, in dem sie ihn als Menschen von ergreifender Frömmigkeit und Herzensgüte schildern.

Zwei Punkte sind es vor allem, die die Leistung Balthasar Knellingers ausmachen und die es wert sind, daß man sich in der Heimat seiner erinnert und mit Stolz sein Andenken pflegt:

•    Seine Werke und Schriften erwiesen ihn als wortgewaltigen Prediger, der unter den Meistern der Kanzelberedsamkeit des Barock einen vorderen Rang einnimmt und in der deutschen Literaturgeschichte seinen Platz hat.
•    In der Sorge um den Landklerus hat er sich für eine echte Reform der Kirche des 17. Jahrhunderts größte Verdienste erworben.