Pfarrer Florian Sigmund Maximilian von Miller

Weit über die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannt war zu Beginn des 18. Jahrhunderts auch der damalige Pfarrer von Oberviechtach (ab 1691) Florian Sigmund Maximilian von Miller, und zwar wegen seiner Rolle als Anführer im Oberpfälzer Bauernaufstand von 1705/06, der sich aus dem Spanischen Erbfolgekrieg ergab.


Bei diesem Krieg standen sich als feindliche Parteien Frankreich und Österreich mit ihren jeweiligen Verbündeten gegenüber. Für Bayern, das sich auf die Seite der Franzosen geschlagen hatte, verlief die Auseinandersetzung unglücklich. Nach der Niederlage der bayerischen und französischen Truppen im Jahr 1704 bei Donauwörth und Höchstadt wurde Bayern mitten im Krieg als feindliches Land besetzt. Österreicher übernahmen die Verwaltung und erzwangen von der Bevölkerung harte Steuer- und Lebensmittelabgaben, Einquartierungen und die Rekrutierung der jungen wehrfähigen Männer.


Darüber kam es in unserer Heimat zu Empörung, Widerstand und schließlich 1705 zum offenen Aufstand. Im Murach- und Schwarzachtal zuerst, dann auch in der Nähe von Rötz, Roding und Waldmünchen. Mehrere hundert Bauern taten sich zusammen und verhinderten in der Zeit bis zum September die Einziehung und den Abtransport von Rekruten. Sogar nach Oberbayern griff der Aufruhr über.


Zu dieser Zeit amtierte in Oberviechtach Pfarrer von Miller, der einem oberpfälzischen Beamtenadelsgeschlecht entstammte, das in der Zeit der Gegenreformation nach Amberg gekommen war. Wohl gegen Ende November 1705 kam zu ihm ein Kriegskommissär namens Fuchs und forderte ihn auf, sich der bayerischen Sache zur Verfügung zu stellen.


Pfarrer von Miller sagte zu und begab sich zunächst nach Vilshofen, das in den Händen der bayerischen Bauern war, und von dort in den Bayerischen Wald und begann seine Werbetätigkeit. Gegen Ende des Jahres hatte er 500 Mann um sich geschart, mit denen er nach Cham zog, wo er sich mit weiteren 4000 Freiheitskämpfern vereinigte.


In den frühen Morgenstunden des Sylvestertages 1705 besetzte der Pfarrer mit seinen Getreuen die Stadt Cham; von Miller wurde Stadtkommandant und nannte sich kurfürstlicher Brigadier.


Noch im Januar 1706 rückten österreichische Truppen unter Oberst d’Arnan gegen Cham vor, und vor dieser Übermacht kapitulierten die aufständischen Bauern (17. Januar 1706). Bei der Säuberung der Stadt wurde auch Pfarrer von Miller gefangengenommen. Was mit ihm danach geschah, ist ungewiß.


Obwohl Pfarrer von Miller als Bauernführer seinen Platz in der bayerischen Geschichte innehat, muß der historischen Wahrheit willen auch gesagt werden, daß er durchaus nicht immer der große Freund der Bauern gewesen zu sein scheint, als der er gerne dargestellt wird. Zahlreich vorhandene Dokumente über Prozeß- und Streitsachen Oberviechtacher Bürger, die sich durch den Pfarrer ungerecht behandelt fühlten, vermitteln vielmehr das Bild eines recht herrischen Menschen.